Berichte

Seit 1975 können männliche österreichische Staatsbürger statt des Wehrdienstes Zivildienst leisten. Grundlage dafür ist das Zivildienstgesetz 1974 bzw. nach Wiederverlautbarung das Zivildienstgesetz 1986, BGBl. Nr. 679 idgF (ZDG).

Nach der früheren Rechtslage bestand für wehrpflichtige Personen, die aus Gewissensgründen die Anwendung von Waffengewalt ablehnten, nur die Möglichkeit, innerhalb des Bundesheeres ohne Waffe Präsenzdienst zu leisten. Mit der Einführung des Zivildienstes schuf Österreich eine Einrichtung, die in vergleichbarer Form bereits in einer Reihe von anderen europäischen Staaten existierte.

Der Zivildienst ist nicht als Alternative zum Wehrdienst gedacht, sondern als Ersatzdienst in Ausnahmefällen. Das Recht, statt des Wehrdienstes Zivildienst zu leisten, hat, wer es aus Gewissensgründen ablehnt, Waffengewalt gegen Menschen anzuwenden und daher bei Leistung des Wehrdienstes in Gewissensnot geraten würde.

Die Glaubhaftigkeit solcher Gewissensgründe wurde bis zur ZDG-Novelle 1991 von einer Kommission geprüft. Seither genügt eine bloße Erklärung die nur bestimmten formellen Anforderungen entsprechen muss.  Die Erklärung lautet:

„Ich kann die Wehrpflicht nicht erfüllen, weil ich es - von den Fällen persönlicher Notwehr und Nothilfe abgesehen - aus Gewissensgründen ablehne, Waffengewalt gegen Menschen anzuwenden und daher bei der Ableistung des Wehrdienstes in Gewissensnot geraten würde. Ich will deshalb Zivildienst leisten."

Der Zivildienst soll hinsichtlich seiner Bedeutung für die Republik Österreich, seiner Dauer sowie der Belastung und Besoldung der Zivildienstpflichtigen dem Wehrdienst so weit wie möglich entsprechen. Im Rahmen des Zivildienstes sollen Leistungen erbracht werden, die für die Gemeinschaft in gleicher Weise notwendig und nützlich sind wie jene des Bundesheeres, auch wenn die Einsätze auf anderen Gebieten liegen. Die Schwerpunkte liegen im Rettungswesen, in der Sozialhilfe, der Behindertenbetreuung, der Altenbetreuung und im Zivil- und Katastrophenschutz.

Der Zivildienst ist außerhalb des Bundesheeres zu leisten. Die Zivildienstleistenden werden von der Zivildienstserviceagentur zu anerkannten Trägerorganisationen zugewiesen. Zu diesen zählen Rettungsorganisationen, Feuerwehren, Krankenanstalten, Werkstätten und Wohnhäuser für Menschen mit Behinderungen, Seniorenheime, Einrichtungen in der Flüchtlingsbetreuung, Kindergärten, Inländische Gedenkstätten, usw. Die Einsatzorte verteilen sich über ganz Österreich.

Zivildienst-Studie: Der gesellschaftliche und ökonomische Nutzen des Zivildienstes in Österreich (10,8 MB) 
Zivildienst-Studie: Präsentation, NPO&SE-Kompetenzzentrum der WU Wien (748,2 KB)