9. Aufbruch nach Europa

Österreich wird Mitglied der EU

Nach 1989 änderte sich die Situation in Europa grundlegend. Der „Eiserne Vorhang “ fiel und die kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa brachen zusammen. Österreich war dadurch nicht mehr ein Land an der Ost-West-Grenze Europas, sondern plötzlich wieder in der „Mitte“ Europas.

Dies änderte die wirtschaftliche Situation des Landes. Touristen und Arbeitskräfte kommen seither in großer Zahl auch aus den ehemals kommunistischen Ländern nach Österreich. Zugleich gingen viele österreichische Unternehmen dorthin und in andere Länder der Welt. Sie stellen dort Güter her oder verkaufen Güter und Dienste. Österreichs Wirtschaft wurde dadurch internationaler. Aber der Wohlstand Österreichs hängt nun auch stärker von der wirtschaftlichen Situation in anderen Teilen Europas und der Welt ab.

1995 wurde Österreich Mitglied der Europäischen Union (EU). Seit dem Beitritt zur EU sind die politischen Entwicklungen und die Gesetzgebung in Österreich stärker durch Entscheidungen bestimmt, die auf der europäischen Ebene getroffen werden.

Mit der sogenannten Osterweiterung der EU im Jahr 2004, mit der Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Slowenien Teil der europäischen Gemeinschaft wurden, ist Österreich nach allen Seiten von EU-Ländern umgeben ((die Grenze zu Liechtenstein und zur Schweiz ausgenommen).

Was bedeutet es für uns, dass Österreich Mitglied der EU ist?

Viele Entscheidungen der Europäischen Union beeinflussen nicht nur die österreichische Politik, sondern auch den Alltag der österreichischen Bevölkerung und der Unternehmen.

Dazu einige Beispiele:

  • Seit dem EU-Beitritt Österreichs kann sich jeder Österreicher bzw. jede Österreicherin innerhalb der EU niederlassen und dort einer Arbeit nachgehen.
  • Seit 2002 bezahlen wir in Österreich mit dem Euro. Das ist die gemeinsame Währung der Europäischen Union. (Der Euro wird aber nicht von allen EU-Staaten verwendet).
  • Seit 2011 gibt es innerhalb der EU einheitliche Höchsttarife für das Telefonieren mit einem Mobiltelefon (Handy). Telefonieren von einem EU-Staat in einen anderen EU-Staat ist daher billiger als früher.
  • Österreichische Studierende können in der ganzen EU studieren. Umgekehrt kommen viele Studierende aus Deutschland und aus anderen EU-Ländern nach Österreich.
  • Bürgerinnen und Bürger anderer EU-Staaten dürfen in Österreich grundsätzlich nicht schlechter behandelt werden als österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Eine große Zahl von Zuwanderinnen und Zuwanderern kommt aus anderen EU-Staaten. Für sie hat dies rechtliche Verbesserungen gebracht. Sie haben nun fast die gleichen Rechte wie die österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger.

Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, die Erweiterung der Europäischen Union und die Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft sind wesentliche Grundlagen dafür, dass Österreich heute zu den reichsten Ländern der Welt gehört.

Österreich stellt heute jedes Jahr Güter her und erbringt Leistungen, die mehrere hundert Milliarden Euro wert sind. Der wirtschaftliche Erfolg macht dieses Land auch für Zuwanderinnen und Zuwanderer attraktiv. Und diese Zuwanderinnen und Zuwanderer leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand Österreichs.

Derzeit leben 8,8 Millionen Menschen in Österreich. Von ihnen sind 1,7 Millionen in einem anderen Land zur Welt gekommen. Das heißt: Jeder fünfte Einwohner Österreichs ist ein Zuwanderer/jede fünfte Einwohnerin ist eine Zuwanderin. Auch das ist ein klares Zeichen dafür, dass Österreich moderner und internationaler geworden ist.


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